Deutscher Immobilientag 2012 in Stuttgart: Auswirkungen der demografischen Entwicklung auf den Immobilienmarkt. Die Immobilienpolitik und der Handlungsbedarf, der sich aus der demografischen Entwicklung ableitet, standen heute im Mittelpunkt des Deutschen Immobilientages, der gestern mit zahlreichen Workshops und Fachdiskussionen eröffnet wurde. 500 Immobilienmakler, Verwalter, Sachverständige und andere Immobiliendienstleister trafen sich in Stuttgart, um sich zu informieren, fortzubilden und auszutauschen.
Am Morgen war Dr. Nils Schmid, der stellvertretende Ministerpräsident von Baden-Württemberg, in die Stuttgarter Carl Benz Arena gekommen. Er gab einen Ausblick auf die Immobilienpolitik Baden-Württembergs, das mit einem Transaktionsvolumen von über 25 Milliarden Euro 2011 zu den drei umsatzstärksten Bundesländern zählt. „Die Immobilie als Geldanlage hat Konjunktur. Die Vorteile des deutschen Immobilienmarktes, der lange Zeit auf stabile Preise blicken konnte, liegen auf der Hand. Gleichwohl gibt es auch bei uns Regionen, in denen die Immobilienpreise stark gestiegen sind. Dadurch wird in den Ballungszentren zunehmend weniger preiswerter Wohnraum angeboten. Dies trifft vor allem Familien, die Wohneigentum erwerben möchten. Daneben sind auch Mieterhaushalte von den Preissteigerungen betroffen”, so Schmid.
Der Minister wies in diesem Zusammenhang auf die sozial ausgerichteten Förderangebote des Landeswohnraumförderungsprogramms 2012 hin. Durch die Neuausrichtung der Wohnraumförderung solle gerade in den Ballungsräumen Wohnraum geschaffen werden. Auch der demografische Wandel werde weiter an Bedeutung zunehmen. Deshalb könnten beispielsweise Maßnahmen zur barrierefreien Modernisierung des Wohnraums gefördert werden, erklärte Schmid.
Zuvor hatte Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen vom Forschungszentrum Generationenverträge der Universität Freiburg seine Berechnungen zur Entwicklung der Immobilienpreise in den kommenden Jahrzehnten vorgestellt. Trotz insgesamt schrumpfender Bevölkerung geht Raffelhüschen nicht davon aus, dass massive Wertverluste drohen. Im Gegenteil: Die durch die schrumpfende Bevölkerung bedingte Nachfrageminderung nach Immobilien werde nämlich durch die immer älter werdende Bevölkerung mit ihrem überproportionalen Wohnraumbedarf mehr als kompensiert. Erst ab 2035 werde ein absoluter, jedoch sehr moderat verlaufender Abnahmetrend einsetzen: 2050 werde die Flächennachfrage noch bei 95 Prozent des heutigen Niveaus liegen.
Der Bedeutung der Forschung für die Immobilienwirtschaft soll mit dem Forschungspreis der Deutschen Immobilien Akademie (DIA) und des Forschungsverbandes für Immobilien-, Hypotheken- und Baurecht e.V. Rechnung getragen werden, der heute verliehen wurde. Preisträger ist Dr. Martin Wilhelm für seine Dissertation zum Thema „Instandhaltungsstrategien unter Berücksichtigung stochastischer Alterungsprozesse – ein Beitrag zur systematischen Bewirtschaftung von Immobilien“. Als zentrales Ziel der Arbeit wird die Optimierung bzw. Maximierung der Wirtschaftlichkeit von Instandhaltungsmaßnahmen unter Beachtung des vollständigen Lebenszyklus und sämtlicher monetärer Auswirkungen herausgearbeitet.

