
Baufinanzierung: Deutsche setzen auf Sicherheit / Foto (Stephan Gawarecki, Vorstandssprecher Dr. Klein & Co. AG): (c) Dr. Klein
Lübeck – Diskussion zu variabler Verzinsung ist realitätsfern: Deutsche setzen bei der Baufinanzierung auf Sicherheit. Zum Jahresende hin sind die Kosten für Baufinanzierungen seit April 2011 erstmals leicht gestiegen. Gegenüber dem Vormonat erhöhte sich die Standardrate um acht Euro. Dies ist auf die Volatilität an den Finanzmärkten zurückzuführen. Entsprechend ist dieser geringe Kostenanstieg von rund 1,2 Prozent nicht als Trendwende nach oben sondern eher als schwankende Seitwärtsbewegung zu interpretieren.
Die Einflussfaktoren der Baufinanzierungszinsen, wie die Entwicklung deutscher Staatsanleihen, deuten aktuell nicht auf einen kurzfristigen Zinsanstieg hin. Analog zur leicht steigenden Standardrate verringerte sich der durchschnittliche Tilgungssatz um rund zwei Prozent.
Wie schon im Vormonat blieb die durchschnittliche Sollzinsbindung auch im Dezember mit 11 Jahren und neun Monaten auf höchstem Niveau, seit Beginn der Erhebungen des DTB. Gegenüber dem vergleichbaren Vorjahresmonat erhöhte sich die Sollzinsbindung um ein ganzes Jahr. Dies verdeutlicht, dass das Thema Sicherheit bei den Deutschen einen sehr hohen Stellenwert hat. Schon vor einem Jahr lag die durchschnittliche Sollzinsbindung mit zehn Jahren und neun Monaten deutlich über den Werten vieler anderer Länder.
Sicherlich ein Grund, weshalb der deutsche Immobilienmarkt so stabil – jener dieser Länder hingegen so krisenbehaftet ist. Insbesondere südeuropäische Staaten und die USA nutzen zur Immobilienfinanzierung größtenteils variable Darlehen. Dies zeigt auch, dass die aktuellen Diskussionen über den Sinn oder Unsinn variabler Finanzierungen in Deutschland tatsächlich nur einen minimalen Teil der Bevölkerung betreffen – der Großteil der Bürger setzt auf Sicherheit.
Die im Dezember leicht gesunkene durchschnittliche Darlehenshöhe lässt auf mehr Umschuldungsgeschäft schließen. Traditionell beschäftigen sich die Kunden im letzten Monat des Jahres lieber mit weihnachtlichen Themen als mit der Planung von Kauf- bzw. Neubaufinanzierungen. Auch der Anteil von Forward-Darlehen ist um etwa 17,5 Prozent zurückgegangen. Im Fokus der Kunden standen demnach Finanzierungen, die kurzfristig umgeschuldet werden müssen. Das Interesse an variablen Darlehen verharrt auf sehr niedrigem Niveau. Der Anteil an Darlehen mit langer Zinsbindung ist – auch aufgrund der günstigen Zinsen – erneut gestiegen.

