Beschäftigte der insolventen Drogeriekette Schlecker wollen heute bundesweit Betriebsversammlungen abhalten. Gestern war bekannt geworden, dass voraussichtlich rund 2.000 Filialen geschlossen werden sollen. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz sei es nur so möglich die übrigen mehr als 3.000 Schlecker-Läden zu halten. Laut der vom Insolvenzverwalter vorgestellten Schließungsliste, die auch im Internet veröffentlicht wurde, werden insgesamt rund 2.010 Läden im ganzen Bundesgebiet geschlossen. Die betroffenen Filialen werden seit Dienstagabend per Fax über ihre Schließung informiert. Insgesamt sollen bei Schlecker rund 12.000 Jobs wegfallen.
Unterdessen ist die baden-württembergische Landesregierung erneut mit dem Versuch gescheitert, bei der Bundesregierung Hilfsgelder für den insolventen Drogeriemarktbetreiber Schlecker zu mobilisieren. Dies berichtet die “Rheinische Post” (Mittwochausgabe) unter Berufung auf einen Brief des Bundeswirtschaftsministeriums vom Dienstag. “Hilfe durch den Bund kommt nur in Betracht, wenn die Bundesländer finanziell überfordert sind”, zitiert die Zeitung aus dem Schreiben. Die Länder hätten eigene Förderinstitute, die gegebenenfalls auch Kredite bereitstellen könnten. Die bundeseigene KfW hatte es zuvor abgelehnt, den von Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz geforderten Überbrückungskredit von 70 Millionen Euro für eine Schlecker-Transfergesellschaft bereitzustellen.
Es gibt aber auch eine positive Nachricht. Für die Übernahme von Schlecker gibt es offenbar großes Interesse bei möglichen Investoren. “Ich habe eine zweistellige Zahl von Interessenten, die auch schon umfangreiche Unterlagen bekommen haben”, sagte Arndt Geiwitz der Tageszeitung “Die Welt” (Mittwochausgabe). Unter den Interessierten seien “bekannte Namen”, sowohl Finanzinvestoren als auch strategische Investoren. “Die ersten Gespräche waren gut. Die Interessen wissen sehr genau, welche Fehler im Unternehmen gemacht wurden. Die Investorensuche läuft nach Plan”, so Geiwitz. “Es gibt in Deutschland keinen Wettbewerber, der so kleine Flächen bedienen kann wie Schlecker. Ich sehe da wirklich Aussichten”, sagte der Verwalter über die Verkaufschancen. Spätestens Ende März sollen dem Bericht zufolge die Investorengespräche vertieft werden, danach mache er “aus der Longlist eine Shortlist” der Interessenten.
Die Drogeriemarkt-Kette hatte am 23. Januar Insolvenz angemeldet. Zuvor hatte Schlecker jahrelang Verluste gemacht. Der europaweite Umsatz sank im Geschäftsjahr 2010 um rund 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro. Für 2011 rechnete das Unternehmen erneut mit sinkenden Zahlen. Das Unternehmen wurde im Jahre 1975 von Anton Schlecker gegründet und hatte Ende 2011 in Deutschland etwa 30.000 Mitarbeiter. Hinzu kommen noch etwa 17.000 Mitarbeiter im Ausland. (dts/uk)

