
Shopping-Center 2011: Deutschland auf niedrigem Fertigstellungs-Niveau / Foto: (c) Cushman & Wakefield - Puerto Venecia in Zaragoza
2011 im Zeichen der Verzögerung: Neue Shopping-Center ließen in Europa auf sich warten – Fertigstellungsvolumen von Shopping-Centern 2011 auf Niveau von 2010: In Deutschland 2011 niedrigste Fertigstellungsniveau seit 1989. 2011 wurden erheblich weniger Shoppingcenter-Flächen fertiggestellt als erwartet. „Wenn alle Shoppingcenter-Flächen wie erwartet fertiggestellt worden wären, wäre das Flächenvolumen um 15 Prozent auf insgesamt 154,1 Millionen qm gestiegen“, kommentiert Inga Schwarz, verantwortlich für das Research von Cushman & Wakefield (C&W) in Deutschland, die Ergebnisse der aktuellen Untersuchung „C&W European Shopping Center Development Spring 2012“. „Durch Verzögerungen auf einer Reihe von Märkten wurden jedoch nur 5,9 Millionen qm statt der erwarteten 6,8 Millionen qm fertiggestellt.“
Von den insgesamt 34 untersuchten europäischen Märkten ist in 19 Ländern das Fertigstellungsvolumen zurückgegangen. In der Tschechischen Republik, Österreich, der Slowakei, Kroatien und Bulgarien wurden 2011 keine Fertigstellungen verzeichnet. „Auch in Deutschland haben wir 2011 ein niedriges Baufertigstellungsvolumen verzeichnet. Insgesamt kamen bundesweit in neuen Centern wie auch in Centererweiterung rund 179.300 qm auf den Markt. Es war damit das niedrigste Fertigstellungsniveau seit 1989. Das größte fertiggestellte neue Center war die Thier-Galerie in Dortmund mit einer Einzelhandelsfläche von 33.000 qm“, so Schwarz.
Insgesamt wurden in Europa im vergangenen Jahr 197 Shopping-Center in fertiggestellt, davon 117 in der zweiten Jahreshälfte und über zwei Drittel (65 Prozent) in Zentral- und Osteuropa. Wie im Vorjahr führen Russland und die Türkei mit 42 Prozent das Fertigstellungsvolumen an. Anders als in vielen anderen Ländern, hat die Fertigstellungsaktivität in Polen, Frankreich und Finnland nach einem Tief im Jahre 2010 jüngst wieder an Momentum gewonnen. Die Baufertigstellungszahl ist in diesen drei Ländern wieder gestiegen. Die größten Projekte, die in Europa fertiggestellt wurden, waren das Westfield Stratford City in London (176.500 qm), das türkische Marmara Forum in Istanbul (156.000 qm) und das Marineda City im spanischen La Coruña (146.000 qm).
Im Durchschnitt 246,6 qm pro tausend Einwohner
Am ersten Januar 2012 standen den Europäern rund 139,9 Millionen qm Shoppingcenter-Flächen zur Verfügung. Im europaweiten (EU-27) Durchschnitt entspricht dies 246,6 qm pro tausend Einwohner. „Das Flächenangebot in Deutschland befindet sich mit 163,5 qm pro tausend Einwohner im unteren Mittelfeld“, erklärt die Researcherin, „im deutschsprachigen Nachbarland Österreich ist die Shoppingcenter-Fläche pro tausend Einwohner mit 322,7 qm nahezu doppelt so hoch und auch im Vielsprachenland Schweiz liegt sie etwa 50 Prozent höher mit 241,5 qm.“
Mit 10,9 Millionen qm gut gefüllte Pipeline
Die Pipeline der zu erwartenden Fertigstellungen ist nicht zuletzt durch die zahlreichen Verzögerungen gut gefüllt: Für dieses und nächstes Jahr befinden sich europaweit rund 10,9 Millionen qm in der Fertigstellungsphase. In Deutschland befinden sich rund 466.000 qm Shoppingcenter-Flächen in der Pipeline. In Zentral- und Osteuropa stehen Russland und die Türkei auf den ersten beiden Plätzen der Erwartungsliste, in Westeuropa stehen Frankreich und Italien auf den vordersten Plätzen. Die größten Projekte in der Pipeline sind die OZ Mall im russischen Krasnodar (169.000 qm), die bereits 2011 fertiggestellt werden sollte, die türkische Mall of Istanbul (135.000 qm) und das spanischen Puerto Venecia in Zaragoza (123.500 qm).
Großbritannien und Deutschland dominieren Investmentmärkte
Das Einzelhandelsinvestmentvolumen in Europa betrug im letzten Jahr 40 Mrd. Euro und stieg damit um 3,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. „Die Märkte in Großbritannien und Deutschland haben mit zusammen rund 57 Prozent des Investmentvolumens dieses Marktsegment ganz klar dominiert“, ergänzt Inga Schwarz. „Trotz eines Rückgangs von 15 Prozent gegenüber 2010 hat insbesondere Großbritannien mit einem Investmentvolumen von fast 12 Milliarden Euro den ersten Platz verteidigt. In Deutschland konnten wir im Einzelhandelssegment ein Plus von 39,5 Prozent auf 10,8 Milliarden Euro verzeichnen. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die Transaktion in Oberhausen. Das Canada Pension Plan Investment Board (CPPIB) hat im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres 50 Prozent des CentrO Oberhausen erworben. Vor dem Hintergrund der stabilen Entwicklung des deutschen Einzelhandels, erwarten wir, dass deutsche Shopping-Center auch 2012 im Fokus nationaler und internationaler Investoren stehen werden.“
