In Zeiten steigender Energiekosten ist es sinnvoll sein Haus energetisch zu modernisieren. Die Wärmedämmung von Gebäuden gilt als wichtiger Baustein für die Ziele des Klimaschutzes, die sich die Bundesregierung angesichts knapper Energiereserven und des Klimawandels gesetzt hat. Historische Fassaden sind im Allgemeinen nicht nur schön, sondern energetisch recht gut. Sie haben in der Regel dicke Wände und dämmen hervorragend. Anders sieht es allerdings bei den Zweckbauten der Nachkriegszeit, vor allem bei Gebäuden der 1950er bis 1970er Jahres aus, die meist dünne Wände haben und deshalb eine energetisch Modernisierung erforderlich machen.

Hartschaumplatten aus Polystyrol kommen bei der Wärmedämmung in über 80 Prozent aller energetischen Sanierungen zum Einsatz. Diese „Gebäude-Verpackung“ isoliert gut, ist preisgünstig und leicht zu verarbeiten. Doch wie gut ist der Brandschutz beim meistverwendeten Dämmschutz? Wie hoch ist das Brandrisiko von Polystyrol-Dämmplatten mit dem jedes Jahr hundertausende Fassaden in Deutschland beklebt und verputzt werden?

Wärmedämmverbundsysteme mit Polystyrol müssen die Anforderungen der Brandschutzklasse B1 (schwer entflammbar) erfüllen, eine Voraussetzung für ihre baurechtliche Zulassung. Nach Recherchen des NDR kann diese Art der Verpackung unter bestimmten Umständen allerdings brandgefährlich sein und sogar zum Brandbeschleuniger werden. Das Polystyrol grundsätzlich brennbar ist wird nicht bestritten, doch die Dämmplatten sind aufgrund flammenhemmender Chemikalien schwer entflammbar. Also eine Fassade mit Feuerzeug anzünden wird wohl nicht gehen. Doch wie gut ist der Brandschutz wirklich?

Einbau von Brandsperren unverzichtbar

Reporter der NDR Dokumentationsreihe “45 min” ließen einen Brandversuch in der Materialprüfanstalt Braunschweig durchführen. Ein Fachbetrieb hatte dort das Wärmedämmverbundsystem eines Markenherstellers aufgebaut. Zwanzig Minuten hätte es der Einwirkung heftig lodernder Flammen standhalten müssen. Doch das System fing so schnell Feuer, dass der Versuch bereits nach acht Minuten außer Kontrolle geriet und die Feuerwehr wegen heftig lodernder Flammen und extremer Rauchgasentwicklung umgehend löschen musste.

Allerdings könnte für die rasante Brandausbreitung eine Abweichung im Prüfaufbau entscheidend gewesen sein, da für den Versuch bewusst auf den Einbau von sogenannten Brandsperren (Brandschutzstreifen, Brandriegel) beispielsweise aus nicht brennbarer Mineralwolle über dem simulierten Fenstersturz verzichtet wurde. Werden Mehrfamilienhäuser mit Polystyrol gedämmt dann müssen Brandsperren eingebaut werden, sofern die Polystyrol-Hartschaumplatten eine Dicke von zehn Zentimetern überschreiten. Der Verzicht auf Brandschutzstreifen oder Brandriegel, deren Einbau zeit- und kostenintensiv ist, spiegelt laut NDR die Praxis wieder – bei der Wärmedämmung wird entweder ganz oder teilweise auf Brandschutzstreifen verzichtet.

Gebäudedämmung wichtiger Bestandteil für Klimaschutz

Aus Sicht der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) sind die Darstellungen haltlos und weisen überwiegend auf eine unsachgemäße Verarbeitung der Materialien oder eine falsche Planung hin. “Die Gebäudedämmung ist und bleibt ein wichtiger Bestandteil, um die Energieeffizienz von Gebäuden zu erhöhen, Heizenergie zu sparen und klimaschädliche CO2-Emissionen zu reduzieren”, betont Stephan Kohler, Vorsitzender der dena-Geschäftsführung.

In Deutschland gibt es sehr hohe Sicherheitsstandards. Das gilt auch beim Brandschutz. Die fachgerechte Ausführung der Dämmmaßnahmen, also auch der Einbau von Brandsperren, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Maßgebend dafür ist die Brandschutzverordnung, die die Verwendung der Baustoffe regelt und vorschreibt, wo an der Fassade Brandsperren angebracht werden müssen. Die Brandschutzverordnung wird regelmäßig aktualisiert und auf den Stand der Technik gebracht.

Zudem unterliegen alle Baumaterialien in Deutschland einer Zulassungspflicht und werden intensiv von etablierten Instituten geprüft. So wird auch das Brandverhalten von Wärmedämmverbundsystemen in Brandversuchen im Originalmaßstab getestet, bevor sie auf den Markt kommen.